Liefertermin vor Stückpreis: was in der Auftragsbestätigung zuerst zählt
Eine Prüfreihenfolge für Bestätigungen von Lieferanten – für Einkauf und Auftragsabwicklung in produzierenden und handelnden Betrieben
· 4 Min. · Automatisierung, Einkauf, KI, Arbeitsweise
Der Liefertermin ist die Abweichung in der Auftragsbestätigung eines Lieferanten, die am spätesten auffällt und am teuersten werden kann. Einen geänderten Preis findet spätestens die Rechnungsprüfung, eine fehlende Menge der Wareneingang. Ein verschobener Termin fällt erst auf, wenn die Ware fehlt und die Produktion wartet. Deshalb gehört er in der Prüfreihenfolge vor den Preis.
Warum der Liefertermin vor dem Preis geprüft wird
Beim Preis liegt der erste Blick nahe, weil eine Abweichung dort sofort Geld bedeutet. Er hat im Betrieb aber eine zweite Kontrolle: Die Rechnung wird gegen Bestellung und Wareneingang geprüft, und ein höherer Stückpreis fällt dort auf, bevor bezahlt wird. Das ist ärgerlich, aber korrigierbar.
Für den Termin gibt es diese zweite Kontrolle nicht. Bestätigt ein Lieferant die Ware eine Kalenderwoche später als bestellt und liest niemand die Zeile, planen Disposition und Produktion mit dem ursprünglichen Datum weiter. Sichtbar wird die Abweichung erst, wenn der Wareneingang leer bleibt. Dann bleiben nur Eilbestellung, Umplanung oder Stillstand.
Dazu kommt die rechtliche Seite. Eine Bestätigung mit Abweichungen ist kein Echo der Bestellung: Wer eine Bestellung nur mit Änderungen annimmt, lehnt sie im Rechtssinn ab und stellt selbst einen neuen Antrag (§ 150 Abs. 2 BGB). Wer nicht widerspricht und die Ware vorbehaltlos annimmt, kann die geänderten Bedingungen damit angenommen haben; ob das im Einzelfall so ist, klärt eine Rechtsberatung, nicht die Software.
Das heißt nicht, dass der Preis unwichtig ist. Es heißt, dass eine Prüfstrecke mit begrenzter Aufmerksamkeit – ob Mensch oder Software – ihre Genauigkeit zuerst dort braucht, wo kein späterer Schritt den Fehler auffängt.
Die Prüfreihenfolge: vom Bestellbezug bis zu den Konditionen
Ganz vorne steht trotzdem nicht der Termin, sondern die Frage, ob überhaupt die richtige Bestellung verglichen wird. Die vollständige Reihenfolge, nach der sich ein Abgleich aufbauen lässt:
- Bestellbezug: Gehört die Bestätigung zu einer offenen Bestellung dieses Lieferanten? Ohne sicheren Bezug wird nichts weiter verglichen, denn eine falsch zugeordnete Bestätigung erzeugt nur scheinbare Abweichungen.
- Positionen: Sind alle bestellten Artikel bestätigt, keine zusätzlichen hinzugekommen, und lassen sich die Artikelnummern des Lieferanten den eigenen eindeutig zuordnen?
- Menge und Einheit: Karton statt Stück, Meter statt Rolle. Eine Mengenabweichung kann in der Einheit stecken statt in der Zahl.
- Termin: bestätigtes Datum gegen den Wunschtermin, je Position und nicht nur im Kopf des Dokuments, denn Teillieferungen tragen eigene Termine.
- Preis und Preiseinheit: Stückpreis, Preis je Verpackungseinheit, Rabatte und nachträglich ergänzte Zuschläge für Fracht, Mindermenge oder Material.
- Konditionen: Lieferbedingung, Zahlungsbedingung und Verweise auf eigene Geschäftsbedingungen des Lieferanten.
Die ersten drei Schritte folgen aus Abhängigkeiten: Ein Terminvergleich ist nur sinnvoll, wenn Position und Menge stimmen, und ein Preisvergleich nur, wenn die Einheit geklärt ist. Dass danach der Termin vor dem Preis steht, ist dagegen eine Gewichtung: Für den Termin gibt es, wie oben beschrieben, keine zweite Kontrolle.
Stille Änderungen außerhalb der Positionstabelle
Die unangenehmsten Abweichungen stehen nicht in der Tabelle. Ein Lieferant bestätigt Menge, Preis und Termin genau wie bestellt und ändert in der Fußzeile die Lieferbedingung von frei Haus auf ab Werk, oder er verweist auf seine eigenen Geschäftsbedingungen. Wer nur die Positionen vergleicht, meldet: keine Abweichung.
Für ein Sprachmodell sind solche Stellen leichter zu finden als für eine starre Vorlage, weil es Text unabhängig von seiner Position liest. Gerade deshalb reicht es nicht, das Modell allgemein nach Abweichungen zu fragen. Die Konditionen müssen als eigene Felder ausgelesen und mit den Werten aus der Bestellung verglichen werden – Feld gegen Feld, nicht Eindruck gegen Eindruck.
Eine Grenze bleibt, und sie gehört ins Angebot: Verweist die Bestätigung nur auf Geschäftsbedingungen, die nicht beiliegen, kann keine Software deren Inhalt prüfen. Das System meldet den Verweis; bewerten muss ihn der Einkauf.
Ob ein verschobener Liefertermin noch reicht, entscheidet ein Mensch
Eine Abweichung festzustellen ist Rechenarbeit, sie zu bewerten nicht. Ob ein paar Tage später noch passen, hängt vom Lagerbestand, vom Produktionsplan und davon ab, ob der Kunde des Kunden wartet. Diese Informationen stehen nicht zwingend vollständig im ERP und in der Bestätigung gar nicht.
Deshalb braucht der Abgleich getrennte Ausgänge. Stimmt die Bestätigung mit der Bestellung überein, geht sie ohne Zutun weiter. Liegt eine Abweichung innerhalb einer vorher vereinbarten Toleranz, wird sie am Datensatz vermerkt. Alles andere geht an die zuständige Person im Einkauf oder in der Auftragsabwicklung – mit bestelltem und bestätigtem Wert nebeneinander und der Stelle im Dokument. Unsichere Lesungen, etwa ein handschriftlich korrigiertes Datum, landen im selben Korb, zusammen mit ihrem Konfidenzwert.
So richten wir einen solchen Abgleich ein
Ein solches Projekt beginnt bei uns mit echten Bestätigungen aus dem Betrieb des Auftraggebers und der Frage, welche Abweichungen dort bisher Ärger gemacht haben. Daraus entstehen die Prüfreihenfolge, die Toleranzen je Feld und die Zuständigkeiten. An genau diesen Festlegungen wird der Abgleich später abgenommen.
Umgesetzt wird der Abgleich im bestehenden Ablauf: Die Bestätigung kommt aus dem Postfach, die Bestellung aus dem ERP, und das Ergebnis geht als Vermerk an die Bestellung zurück. Ob und mit welchen Feldern dabei ein Sprachmodell arbeitet, wird im Angebot vereinbart. Wie einzelne Felder verglichen werden, beschreibt der Lexikonbeitrag Auftragsbestätigung abgleichen; den ganzen Weg vom Posteingang bis ins ERP zeigt die Seite Dokumentenworkflow.
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